Wie Emily mit zwölf Jahren Hoffnung schenkt
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die für einen anderen Menschen eine große Bedeutung haben können. Emily Schiefert aus Abensberg hat das mit gerade einmal zwölf Jahren eindrucksvoll gezeigt. Sie ließ ihre über viele Jahre gewachsenen, langen Haare abschneiden, um sie für eine Echthaarperücke für ein krebskrankes Kind zu spenden.
Lange Haare waren für Emily immer etwas Besonderes. Trotzdem fiel ihr die Entscheidung nicht schwer, denn sie wusste, dass sie damit einem anderen Mädchen eine große Freude machen kann. Ihre Haare sollen dabei helfen, dem Kind in einer schwierigen Zeit ein Stück Selbstvertrauen und Lebensfreude zurückzugeben.
Dass die Veränderung auch im eigenen Alltag auffällt, gehört natürlich dazu. In der Schule wurde Emily nach dem Abschneiden ihrer langen Haare teilweise kaum wiedererkannt. Doch das stört sie nicht. Emily geht ihren eigenen Weg: Sie hat sich für den Mathe-Zweig entschieden und ist dort als einziges Mädchen unter 29 Jungen in ihrer Klasse. Auch mit ihrer Haarspende zeigt sie, dass sie sich nicht davon abhängig macht, was andere denken.
Ihrer Spende hat Emily einen persönlichen Brief beigelegt. Darin schreibt sie an das Mädchen, das ihre Haare einmal tragen wird:
„Ich hoffe, dass dir diese Spende in einer schweren Zeit ein Stück Kraft und ganz viel Selbstvertrauen zurückgibt. Von Herzen wünsche ich dir, dass du dich mit diesen Haaren wunderschön, stark und wie du selbst fühlst.“
Aus Datenschutzgründen weiß Emily nicht, wer die Empfängerin ihrer Haare ist. Sie kennt weder ihren Namen noch ihre Geschichte. Umso mehr freut sie sich auf den Moment, wenn die fertige Perücke bei dem Mädchen angekommen ist. Ihr größter Wunsch wäre es, irgendwann einen Antwortbrief mit einem Foto zu bekommen, auf dem das Mädchen die neue Perücke trägt.
Emilys Aktion findet bereits Unterstützer
Mit ihrer Aktion möchte Emily auch andere Menschen dazu bewegen, über eine Haarspende nachzudenken. Dass ihre Idee bereits erste Kreise zieht, freut sie besonders: Das Friseurstudio Haarmonie in Abensberg hat sich bereit erklärt, die Aktion zu unterstützen.
Dort gibt es im gesamten November die Möglichkeit, einen Termin zur Haarspende bei Nadine zu vereinbaren. Der eigentliche Haarschnitt kann anschließend auch noch im November oder Dezember sowie im neuen Jahr stattfinden. Wichtig ist lediglich, dass die Terminvereinbarung im November erfolgt. Voraussetzung für eine Spende sind gesunde, gepflegte Haare mit einer Mindestlänge von 30 cm. Wer schon länger über eine Veränderung nachgedacht hat, kann damit gleich etwas Gutes bewirken.
Auch andere Friseursalons können eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie geeignete Haarspenden sammeln und weitergeben. Wichtig ist dabei, sich vorab an eine seriöse Annahmestelle zu wenden. Leider gibt es auch einen Schwarzmarkt für Echthaar. Nicht jede Adresse ist daher vertrauenswürdig, und die Haare sollen schließlich dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden.
Wer selbst Haare spenden möchte oder als Friseursalon Interesse an einer Zusammenarbeit hat, kann sich gerne bei Emily oder ihrer Mutter Jana Schiefert (Janas Confiserie Café in Abensberg) melden. Dort erhält man eine vertrauliche Adresse für die Weitergabe der Haare.
Emily hofft, mit ihrer Entscheidung möglichst viele Menschen zu erreichen und weitere Haarspenden anzustoßen. Denn ihre Geschichte zeigt auf schöne Weise: Manchmal bedeutet eine Veränderung für einen selbst nur einen neuen Haarschnitt, für einen anderen Menschen aber ein großes Stück Lebensfreude.
Danke, Emily, für deinen Mut und diese besondere Geste!